Unser Hilfstransport an die ukrainische Grenze

Aktualisiert: 7. Mai

Hilfstransport an die ukrainische Grenze von Kristina Koch von Willkommen in Nippes


An der Grenze Slowakei-Ukraine im März.

Etwa hundert Kilometer vor der Grenze zur Ukraine kommen uns die ersten vollen Busse und PKWs mit ukrainischen Passagieren entgegen. Dazwischen Militärautos.

Mowafaq und ich sind gestern in Köln mit einem Transporter voller Güter losgefahren: Medikamente, Baby- und Hygienebedarf, haltbare Lebensmittel, Decken, Batterien, Wasserkocher, Taschenlampen. Gemäß der Bedarfe der NGOs vor Ort, mit denen wir in Kontakt stehen. Einiges wurde uns von SpenderInnen gebracht – vieles konnten wir von dem Geld kaufen, das WiN-KollegInnen, Menschen aus dem WiN-Netzwerk und Freunde spendeten.

Am Grenzübergang Vyšné Nemecké warten viele Leute, die Verwandte, Freunde oder Fremde abholen wollen. Das kann dauern. Denis aus Donezk berichtet, dass er mit seiner Familie in seinem Auto zweieinhalb Tage auf der anderen Seite der Grenze wartete, bis er beschloss zu parken, den Autoschlüssel wegzuwerfen und zu Fuß weiterzugehen. Wahrscheinlich die leichteste der tausend Entscheidungen, die er treffen musste. Dann weitere 15 Stunden Wartezeit bei Minusgraden. Am slowakischen Grenzübergang finden die Menschen einen Platz mit Zelt zum Ausruhen, Stände mit Kaffee und Suppe, Kleidung und Kindersitzen, Sim-Karten, medizinische Notversorgung. Mission Lifeline und die Malteser sind da. Und zahlreiche Soldaten und Grenzpolizisten.

Trotzdem herrscht eine Stille, die sich aus Schock und Traurigkeit speist.

Autos überqueren die Grenze sowie Fußgänger mit Rucksäcken und Rollkoffern. Ein altes Ehepaar stolpert weinend einem Helfer hinterher, ihre Taschentücher fallen auf den Boden. Der Helfer drückt sie in einen Bus, wo sie fassungslos aus dem Fenster starren. Eine Frau hockt auf der Straße, ihr kleiner Sohn drückt eine Katze an sich. Wir basteln eine Box für das Tier und legen Katzenfutter dazu.

Mein Begleiter, 2015 aus dem Irak nach Deutschland gekommen, weiß, wie es den Menschen geht, die gerade aus dem Krieg kommen. Er erwähnt die übermüdeten, schockgeweiteten Augen. Ein Mann aus Polen hält ein Schild hoch, auf dem er Fahrten nach Warschau anbietet. 8000 Kilometer sei er seit Kriegsbeginn gefahren, immer hin und her. Von uns bekommt er eine Kiste Lebensmittel und Hygieneartikel für seine Passagiere.