Pressemitteilung: Gemeinsam Flagge zeigen für Vielfalt und Potenziale

Pressemitteilung von IQ NRW

Köln, 26.05.2020

Kölner Expert*innenkreis setzt sich anlässlich des 8. Deutschen Diversity-Tags am 26. Mai 2020 für die berufliche Integration von qualifizierten Frauen mit Migrations- und Fluchtgeschichte ein

In Köln leben rund 195.000 Frauen und Mädchen mit Migrations- und Fluchthintergrund. Das sind 35 Prozent aller weiblichen Kölnerinnen (Quelle: Statistisches Bundesamt, August 2019). Viele von ihnen sind gut qualifiziert und hoch motiviert. Doch ihre beruflichen Fähigkeiten und ihr Potenzial finden noch zu selten Zugang in den Arbeitsmarkt.

Mit dem Ziel, die vielfältigen Potenziale sichtbar zu machen und die qualifikationsadäquate berufliche Integration von Frauen mit Migrations- und Fluchtgeschichte in Köln zu verbessern, haben sich die zentralen Arbeitsmarktakteure in Köln unter der Federführung des IQ NRW Projekts ÖFFNUNGsZEITEN von Migration und Arbeitswelt e.V. bereits letztes Jahr als Kölner Expert*innenkreis zusammengetan.

Mit dabei sind Vertreter*innen der Stadt Köln aus der kommunalen Arbeitsmarktförderung und dem Amt für Integration und Vielfalt, der Agentur für Arbeit Köln, des Jobcenters Köln, der IHK-Stiftung für Ausbildungsreife und Fachkräftesicherung sowie des Kompetenzzentrums Frau und Beruf Region Köln (Competentia Region Köln).

„Wie wichtig es ist, gerade jetzt in Zeiten von Corona aktiv an dem Thema dranzubleiben, die Frauen aufzufangen und zu unterstützen, zeichnet sich auf vielen Ebenen bereits jetzt ab“, erläutert Canan Ulug, Projektleiterin ÖFFNUNGsZEITEN und freut sich, dass die zentralen Arbeitsmarktakteure auch jetzt an einem Strang ziehen.

Als Kölner Expert*innenkreis zeigen sie anlässlich des heutigen Diversity Tags gemeinsam Flagge für Vielfalt und für die qualifikationsadäquate berufliche Integration von


Hohe Armutsgefährdung

Elvige D. ist eine dynamische junge Frau aus Kamerun. Sie hat in Deutschland eine kaufmännische Ausbildung absolviert und einen Bachelor in BWL. Deutsch und Französisch spricht sie perfekt. Doch eine Beschäftigung, die ihrer Qualifizierung und ihren Fähigkeiten entspricht, findet sie trotzdem nicht. Stattdessen arbeitet sie als Aushilfe in der Gastronomie. Das bedeutet, dass sie in der Zeit des Corona-bedingten Lock Downs kein Einkommen hat.

So, wie Elvige ergeht es vielen qualifizierten Frauen mit Migrations- und Fluchtgeschichte. Insgesamt arbeitet "rund ein Drittel der gut qualifizierten Frauen mit Migrationshintergrund [...] deutlich unterhalb ihres Qualifikationsniveaus". (Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung 2016). Kein Wunder, dass die Armutsgefährdungsquote von Frauen mit Migrationshintergrund mit 27,1% doppelt so hoch ist, als von Frauen ohne Migrationshintergrund mit 12,3% (Quelle: Mikrozensus 2019).


Unterstützung gerade in Corona-Zeiten

„Die aktuelle Corona Lage trifft insbesondere auch Migrantinnen und birgt Risiken für die erfolgreiche Arbeitsmarktintegration“, erklärt Canan Ulug. „Sie können unter anderem vereinbarte Praktika, Qualifizierungen nicht antreten bzw. weiterführen, Ausbildungs- und Stellenzusagen werden zurückgezogen. Ängste, Armutsgefährdung und Perspektivlosigkeit steigen. Daher gehen wir aktiv auf die Frauen sowie auf die Unternehmen zu und beraten zu Alternativen".

„Die verstärkte Unterstützung von Frauen bei Kontakten zu Unternehmen ist derzeit mehr denn je notwendig“, erklärt auch Heike Gasper, Geschäftsführerin Kommunales Bündnis für Arbeit der Stadt Köln.

Der Kölner Expert*innenkreis ist sich einig, den zusätzlichen Herausforderungen und Bedarfen muss gemeinsam begegnet werden.

Frau Petra Hovi, Migrationsbeauftragte der Agentur für Arbeit Köln, berichtet von einem Beispiel aus ihrer Praxis. Frau Diguemo S. hat nach der Familienzeit eine Weiterbildung zur Betreuungsassistentin begonnen bis das Weiterbildungsinstitut am 31.03.2020 aufgrund der Corona- Pandemie geschlossen wurde. „Viele Frauen mit Migrationshintergrund können derzeit aufgrund der fehlenden Betreuungsplätze für die Kinder und der geschlossenen Sprach- und Weiterbildungsinstitute ihren Einstieg in den Beruf nicht realisieren“ stellt Hovi fest. „Online-Unterricht ist aufgrund fehlender technischer Voraussetzungen und Sprachkenntnissen nicht immer möglich. „Aber“, so fährt sie fort „wir sind gerade in dieser schwierigen Situation für unsere Kund*innen da. Wir beraten telefonisch und per Mail und nutzen alle unsere Möglichkeiten für eine gute Unterstützung.“

„Die derzeitigen Rahmenbedingungen stellen unsere Arbeit vor zusätzliche Herausforderungen“, sagt auch Sebastian Kusserow, Experte für Flucht und Migration vom Jobcenter Köln. „Viele wissen nicht, dass wir, auch wenn die Vororttermine ausfallen, weiterhin beraten und zur Verfügung stehen. Wir haben unsere telefonische Erreichbarkeit ausgeweitet und rufen auch aktiv an, um Informationen zu vermitteln und individuell zu beraten.“

Bei der IHK-Stiftung sieht Geschäftsführerin Tina Riepel vor allem Unterstützungsbedarf beim Bewerbungsprozess für den diesjährigen Ausbildungsstart: „Als IHK-Stiftung stehen wir deshalb sowohl Betrieben als auch Bewerber*innen beratend zur Seite und bieten als neues Format Webinare zu den relevanten Themen an".

Agnes Wojtacki, Leiterin von Competentia Region Köln, wollte im Mai mit MENTEGRA, einem Mentoring-Programm für zehn geflüchtete Frauen starten. „Wir haben nun den September als voraussichtlichen Starttermin festgelegt und freuen uns, dass die dafür gewonnenen Unternehmen auch dann noch bei dem Pilotprojekt mitmachen.“ Es werden für das Mentoring-Programm übrigens noch Mentees gesucht. „Interessierte Frauen können sich per E-Mail an competentia@stadt-koeln.de wenden.“

Paul Dudek vom Amt für Integration und Vielfalt der Stadt Köln schlägt vor: „Das Potenzial dieser Zielgruppe könnte für systemrelevante Berufe, wie beispielsweise im Gesundheitssektor, genutzt werden. Damit die Frauen sich dafür qualifizieren können, braucht es mehr digitale Beratungs- und Qualifizierungsangebote.“

Mit der gemeinsamen Pressemitteilung zum Diversity Tag macht der Kölner Expert*innenkreis gerade jetzt auf die vorhandenen Potenziale von Frauen mit Migrations- und Fluchtgeschichte für die Gesellschaft und Wirtschaft aufmerksam.

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