Update nach Lesungen: Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus,nie wieder brennende Bücher!

Update nach Lesungen:


An den Lesungen in Köln "Nie wieder brennende Bücher" am 20. Mai 2020

nahmen von 12 bis 16.30 Uhr hinter dem Hauptgebäude der Neuen

Universität Köln zwischen 25 und 35 ZuhörerInnen teil. Ein größerer Teil

von ihnen las aus Texten von Schriftstellerinnen und Schriftstellern

vor, die durch die Nazi-Diktatur verfolgt worden waren.

Ein Teil der Lesungen wurde auf Video aufgenommen. Sie sind zu hören und

zu sehen auf der Website


https://r-mediabase.eu/nie-wieder-brennende-buecher-eine-lesung-in-koeln/


In dem dritten Teil der Videos ist die Lesung aus "Ede und Unku"

wiedergegeben. Vorgetragen von G. Baumann.

Einige der Zuhörenden äußerten ihre Freude, diesen Jugendroman dadurch

kennengelernt zu haben.

Wir haben bisher noch niemanden gesprochen, der ihn kannte. Das Buch

wurde 1931 von Alex Wedding veröffentlicht. Es gehörte zu den 1933

verbrannten Büchern.


Ein Verwandter des Sinti-Mädchen Unku hat 2018 zusammen mit einer

Journalistin, Janko Lauenberger und Juliane von Wedemeyer, ein Buch

geschrieben: Ede und Unku - die wahre Geschichte. Das Schicksal einer

Sinti-Familie von der Weimarer Republik bis heute. Gütersloher

Verlagshaus, 2018.


Es wird noch eine Liste erstellt mit bibliographischen Angaben über die

Texte, die gelesen wurden.



Der Arbeitskreis Zivilklausel der Uni Köln veranstaltet Lesung anlässlich des 87. Jahrestages der Bücherverbrennung Am Mittwoch, den 20. Mai 2020, von 12:00 bis 15:00 Uhr Ort in diesem Jahr: Grüngürtel hinter dem Hauptgebäude der Uni Köln.


Jede und jeder ist eingeladen, zuzuhören und aus den Werken der AutorInnen, deren Bücher verbrannt wurden, vorzulesen.

(Gespräch von zwei Soldaten an der Front)

"Ich habe nie einen Franzosen gesehen, bevor ich hierherkam, und den meisten Franzosen muss es so gehen wie uns. Die sind ebenso wenig gefragt wie wir hier.‘ ,Weshalb ist dann überhaupt Krieg?‘ fragte Tjaden. Kat zuckte die Achseln. ,Es muss Leute geben, denen der Krieg nützt.‘“ Erich-Maria Remarque: „Im Westen nichts Neues“, 1929.

War denn nicht der Grundtrieb alles Nazitums immer Neid, Habgier, die Lust zum plündern, der geile Drang, sich in Macht und Geld zu sielen?“ Thomas Mann: „Deutsche Hörer“, März 1944.

Der Roman über die Schrecken des 1. Weltkriegs „Im Westen nichts Neues“ von Erich-Maria-Remarque ist in der Weimarer Republik hunderttausendfach gekauft worden. Die Schilderung der Brutalität und Sinnlosigkeit des 1. Weltkrieges legt die Überkommenheit einer sozial-hierarchisierten, ungleichen und autoritären Gesellschaft und ihrer Eliten offen: Hohler nationaler Pathos und die feige Schinderei der „Untergebenen“ in der Schule wie im Militär enden in den Schützengräben. „Heroismus beginnt da, wo die Vernunft streikt: bei der Geringschätzung des Lebens“ lässt Remarque im Roman „Der Weg zurück“ einen erschütterten Oberstleutnant über die Logik des Krieges sagen, nachdem die Beendigung des Krieges durch einen Aufstand von Matrosen und Soldaten erzwungen wurde und der deutsche Kaiser die Flucht ergriffen hatte. Die Vernunft steht auf Seiten des Friedens und des Lebens.

Solche aufgeklärte Kultur stand dem sozialdarwinistischen Menschenbild und Zielen der Nazis entgegen. So organisierte Joseph Goebbels Anfang der 30er Jahre Massenaufläufe der SA vor und in den Kinos, um Ausschreitungen gegen die Vorführungen der Verfilmung von Remarques pazifistischen Roman zu provozieren und die Aufführungen zu verhindern. Am 10. Mai 1933 (in Köln am 17. Mai) wurden dann die Bücher von jüdischen, bürgerlich-humanistischen, pazifistischen, sozialistischen und marxistischen Kulturschaffenden sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von den nationalistisch gesinnten Burschenschaften und Studierendenschaften verbrannt. Dazu gehörten die Werke von Remarque, von Nelly Sachs, Rosa Luxemburg, Thomas und Heinrich Mann, Bertolt Brecht, Anna Seghers, Lion Feuchtwanger, Kurt Tucholsky, Arnold und Stefan Zweig, Sigmund Freud, Irmgard Keun, Heinrich Heine, Karl Marx und vielen anderen.

Die Bücherverbrennung und die Gleichschaltung von Politik, Wissenschaft und Kultur mit den menschenverachtenden Zielen der Nazis bereiteten der militärischen Hochrüstung, dem imperialen Raub- und Vernichtungskrieg Nazi-Deutschlands mit über 65 Millionen Toten sowie der industriellen Ermordung von über 6 Millionen Menschen in Konzentrationslagern den Boden. Nie wieder!

Vor 75 Jahren ist die Befreiung von der Naziherrschaft aufgrund der weltweiten Kooperation von Antifaschistinnen und Antifaschisten aller Weltanschauungen gelungen. Verbunden hat sie das humanistische Engagement für den Aufbau einer solidarischen, friedlichen und demokratischen Gesellschaft, die die Würde des Menschen sozial verwirklicht und den Krieg aus dem Leben der Völker verbannt. Die Schlussfolgerungen und Hoffnungen dieser Zeit haben ungebrochene Aktualität. Die Befreiung zu vollenden, steht heute aus.

Unsere Vision vor 60 Jahren, die Vision von einem demokratischen Neuaufbau, wurde formuliert in den ,4 Des‘, wie es damals hieß, für die Konsens bestand unter Antifaschisten:

  1. Demilitarisierung aller Bereiche des öffentlichen Lebens als Lehre aus zwei Weltkriegen in drei Jahrzehnten, die von Deutschland ausgingen, d. h. Ausschaltung von Strukturen des ,Befehl und Gehorsam‘ z. B. in der Erziehung, der Arbeit, der Verwaltung und in den Köpfen.

  2. Denazifizierung, also Zerschlagung des Nazismus mit seinen Wurzeln, d. h. Auflösung aller Naziorganisationen, Abschaltung des Einflusses aktiver Nazis aus allen gesellschaftlichen Bereichen, aber auch des ideologischen Einflusses, also Entnazifizierung in den Köpfen durch aktive Aufklärungsarbeit.

  3. Demonopolisierung, also Entflechtung der großer Unternehmen als eine Wurzel des Faschismus, die nachweislich eine große Mitschuld an der Errichtung und Stabilisierung faschistischer Herrschaft hatten, beinhaltet nicht nur die Entflechtung marktbeherrschender Unternehmen, sondern auch die Sozialisierung der Schlüsselindustrien, der Banken.

  4. Demokratisierung und zwar aller Bereiche der Gesellschaft, also nicht nur den Staat betreffend, sondern auch die Wirtschaft bzw. die Betriebe und eine umfassende Mitsprachemöglichkeit der Bevölkerung in allen wichtigen Fragen und Entscheidungen sowie unveräußerliches Menschenrecht für jeden Einzelnen; Rechtssicherheit und Rechtsstaatlichkeit.

Diese vier Grundforderungen des antifaschistischen Konsens befanden sich weitgehend in Übereinstimmung mit den Zielen der alliierten Anti-Hitler-Koalition, formuliert z. B. in der Vereinbarung des Potsdamer Abkommen vom August 45.“ Martin Löwenberg, KZ-Überlebender, Widerstandskämpfer und Antifaschist, in der Rede zum Ostermarsch 2005 – Platz der Opfer des Nationalsozialismus, München


Wer jetzt schon weiß, dass sie/er lesen möchte, möge sich für die Koordination bitte unter zivilklausel@uni-koeln.de melden.

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