Psychosoziale Hilfen in Zeiten von Corona


BAfF Newsletter – Psychosoziale Hilfen in Zeiten von Corona


Liebe Leser*innen, liebe Freund*innen und Unterstützer*innen,


In Zeiten großer Unsicherheit und Angst sowie einer Krise der Gesundheitsversorgung besteht eine verstärkte Notwendigkeit, die prekäre Lebenssituation Geflüchteter zu beachten. Es gilt, mehrsprachige Informationen bereitzuhalten und auch den Zugang zu Gesundheitsversorgung und psychosozialer Online-Beratung sicherzustellen.


Wir möchten auf die psychosozialen Auswirkungen der Corona-Pandemie für Geflüchtete aufmerksam machen. Und wir fordern, dass Informationen in möglichst vielen Sprachen bereit gestellt werden, die gesundheitliche Versorgung unabhängig vom Aufenthaltsstatus sichergestellt wird und Rücksicht auf die besonderen Bedarfe von Geflüchteten in solchen Krisensituationen genommen wird, wie sie durch Quarantäne, Ausgrenzung und Unsicherheit entstehen können.

Das Statement ist auch auf unserer Homepage zu finden.


Zusätzlich zu unserem Statement haben wir eine Materialsammlung angelegt, mit Informationen zu digitaler und telefonischer Beratung und Therapie.


#LeaveNoOneBehind!


Herzliche Grüße aus der BAfF-Geschäftsstelle!

Was hilft gegen die Angst? Verstärkte Unsicherheiten und sozialer Abstand zu Zeiten der Corona-Pandemie: Psychosoziale Unterstützung für Geflüchtete dringend notwendig Die Covid-19 Pandemie und ihre Konsequenzen verschärfen sich von Tag zu Tag. Viele Menschen haben große Angst, sich oder andere zu infizieren und nicht ausreichend medizinisch behandelt werden zu können. Die Informationslage ist trotz Anstrengungen von Seiten Politik und Wissenschaft für den Großteil der Bevölkerung undurchsichtig und von kursierenden Falschmeldungen geprägt. Durch den Aufruf zur sozialen Distanzierung fühlen sich viele immer mehr abgeschnitten vom Rest der Gesellschaft. Diese Ungewissheit, Ängste und fehlender Kontakt betreffen in verschärftem Ausmaß auch geflüchtete Menschen hier in Deutschland. Nicht nur in den sozialen Medien, sondern mittlerweile auch in der Tagesschau oder in Form von direkten Appellen der Bundeskanzlerin werden die sonst nüchternen Nachrichten von emotionalen Inhalten begleitet. Den Verunsicherungen und Ängsten der Bevölkerung werden das Versprechen und die Forderung von Verbundenheit und Solidarität gegenübergestellt. Das Kontrollerleben der Bevölkerung wird durch die Möglichkeit, bestimmte Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen und auf Abstand zu gehen, gesteigert. Aus der Arbeit mit traumatisierten Geflüchteten wissen wir, dass genau diese Punkte – Wissen, Verbundenheit mit anderen Menschen, Kontrollerleben – tatsächlich sehr wirkungsvolle Mittel gegen Ängste sind. Für traumatisierte Menschen sind sie essentiell, um sich von Gewalt zu erholen und den ständig hohen Stresspegel zu regulieren. Gleichzeitig wissen wir, dass dies Geflüchteten in der momentanen Situation fast unmöglich gemacht wird.

Die größte Sorge: Asyl und Aufenthalt

Viele Geflüchtete erleben bezüglich ihres Asylverfahrens verstärkte Unsicherheit und Informationslücken: Wann ist nun die Anhörung? Wird meine Duldung verlängert? Gelten die angegebenen Fristen noch? Behörden und Kommunen sind überfordert und durch fehlende Digitalisierung in ihrer Handlungsfähigkeit massiv eingeschränkt. Viele Verfahren wurden nun erst einmal pausiert und Fristen verlängert. Doch in der vergangenen Woche wurden dennoch weiterhin Ablehnungsbescheide mit Rechtsmittelfristen von einer Woche verschickt. In der aktuellen Situation ist es nahezu unmöglich, von Beratungsstellen Unterstützung und die Übersetzung des Bescheids in kurzer Zeit zu erhalten. Eine Aufklärung über eigene Rechte würde erst durch eine unabhängige Asylverfahrensberatung möglich gemacht.